Social Media

Google+: Das bessere Facebook?

11.07.2011 | 

Ende Juni 2011 startete Google die Social Media Plattform Google+. Vordergründig scheint es sich um einen ähnlich gestalteten Konkurrenten für Facebook zu handeln. Wir haben uns deshalb gefragt: Ist Google+ ein Plus oder ein Stattdessen?

Google+ ist anders

Zuerst die Fakten: Google+ besteht neben sozialem Beischmuck aus zwei Teilen:

1. Sparks - zum Stream weiterentwickelte Google Alerts samt Google News. Auf einen Klick sind dort thematische Nachrichten abzurufen, für die Einrichtung genügt die Angabe eines Themas oder Suchbegriffs.

2. Circles – frei wählbare Gruppen, in die man seine Kontakte sortiert. So kann man später bei jedem Posting entscheiden, welche Gruppe den Inhalt zu sehen bekommen soll. Das geht zwar so ähnlich auch bei Facebook, aber deutlich umständlicher.

Weil die Kontakte anders als bei Facebook nicht gegenseitig sein müssen (diese Idee stammt direkt von Twitter), hat Google+ weniger mit "Social" und mehr mit "Media" zu tun. Auf Google+ sind Kontakte eher Infoquellen und weniger soziale Verbindungen. Zu einer „Freundschaft“ im facebook'schen Sinne kommt es erst, wenn B im Gegenzug auch A einem Circle hinzufügt.

Google+ ist damit ein weiterer Schritt in Richtung Zukunft der Medienrezeption gelungen, in der Nachrichten aus allen möglichen Quellen zusammengeführt werden - von der Sportredaktion eines britischen Online-Magazins bis zur australischen Foto-Bloggerin. Sortiert und verbreitet werden diese Inhalte, frei von redaktionellen Zwängen, von einem sozialen Filter aus Multiplikatoren - ein Frontalangriff auf die Gatekeeper-Funktion der Massenmedien und möglicherweise bald wichtige Konkurrenz für Nachrichten-Netzwerke wie CNN.

Zudem verankert Google bereits eine eigene "Mag ich"-Funktion direkt in den Suchergebnissen: Neben jedem Link steht nun ein eigener "+1"-Button. Diese Einbindung des Google-Netzwerks ins tägliche Surfen kann Facebook nicht bieten.

Erstes Fazit positiv

Google+ ist darauf angelegt, weniger das soziale als das komplette mediale Erlebnis im WWW zu bieten - selbst zusammengestellt. Um es mit den Worten von Tech-Blogger Eric Kubitz zu sagen: Google+ ist Facebook für Erwachsene. Denn auf Facebook ist man, Google+ macht man sich.

Zwar fehlen Funktionen, die in spaßorientierten Communities wie Facebook oder den VZ-Netzwerken intensiv genutzt werden: Party-Einladungen, Spiele, Gästebuch, Apps etc. Dennoch, kaum vorstellbar, dass Google+ ein solches Social-Desaster wird wie die zwei vorangegangenen Netzwerk-Versuche Wave und Buzz. Das Medienecho (auf die Beta!) ist bislang jedenfalls durchweg positiv. Bleibt abzuwarten, wie viele User sich die Mühe machen, ein zusätzliches Profil zu betreuen. Denn eine Social Media Plattform lebt von der Anzahl und Aktivität seiner Nutzer.

Denkbar ist auch, dass sich Google+ in einer künftigen Ausbaustufe gut für Unternehmen eignen wird. Alsbald sollen Google+ Firmenprofile freigeschaltet werden, die sich für Videomeetings, Recruiting und das Organisieren von Arbeitsgruppen in Kreisform eignen könnten. Auch die Einbindung von Google+ in das bestehende Enterprise-Produkt „Google Apps for Business“ könnte eine Alternative zu konventionellen Intranets werden. Ob Ablöse oder Miteinander: Facebook, Twitter, Xing & Co. müssen sich warm anziehen. We will keep you posted.